Türkei Teil 6: Nordosten und Georgische Täler

 

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24.4.2022

Zigana – Sumela Kloster, Türkei

Km: 50

Km Total: 14’020

Wir unternehmen einen kleinen Morgenspaziergang in der nahen Umgebung, begleitet von Wulli, unserem Streunerhund. Und wir machen unweit unseres Übernachtungsplatzes eine überraschende Entdeckung: Bärenspuren! Keine frischen, trotzdem wird uns etwas mulmig zumute. Dass es hier wirklich Bären gibt war uns nicht bewusst. Mit erhöhter Aufmerksamkeit laufen wir weiter, zum Glück haben wir noch Wachhund Wulli dabei… 

Ob dieser bei einer Bärenbegegnung wirklich hilfreich wäre, sei dahingestellt… Entlang des schönen Waldwegs blühen die ersten Frühlingsblumen, auf den Alpwiesen spriessen die Krokuse und einige Hänge sind voller Huflattich (Zytröseli). Am Ende des Weges erreichen wir eine Ansammlung von Gebäuden, die den Bauern als Sommerquartier dienen. Nach dem schönen Spaziergang fahren wir los und rollen erst Mal 1700 Höhenmeter vom Pass runter ins Tal, auf 400 m, ins Dorf Maçka. Hier versuchen wir unser Glück in einem bekannten Restaurant, wo wir zwar die einzigen Gäste sind aber tatsächlich etwas Leckeres zu essen bekommen. Drei Schalen werden uns aufgetischt: grüne Bohnen, Krautstiele und Maisbrei. Letzteres eine Spezialität der östlichen Schwarzmeerregion, eine Art Polenta mit viel Butter und Käse. 

Unser heutiges Ziel ist der Altindere Nationalpark, wo auch das griechisch-orthodoxe Sumela-Kloster liegt, einer der historischen Höhepunkte der Schwarzmeerküste. Hierfür fahren wir durch ein schmales waldiges Tal, welches uns wiederum auf 1000 m führt. Bevor es aber richtig steil wird, müssen wir den Iveco parkieren und in einen Shuttle Bus umsteigen, der uns zum Kloster fährt. Auch hier sind seit Jahren andauernde Renovationsarbeiten und Felssicherungsarbeiten im Gange, so dass wir das Kloster leider nur vom Vorplatz aus betrachten können. Die Hauptattraktion wäre die teilweise in den Felsen gehauene Kirche, welche an den Innen- und Aussenwänden mit farbigen Fresken geschmückt ist. Im 4. Jahrhundert n. Chr. gegründet, wurde das Kloster 1923 nach der Gründung der Türkischen Republik und des „Bevölkerungsaustauschs“ aufgegeben. Uns gefällt vor allem die spektakuläre Lage des Klosters: Hoch über dem Tale, immergrünen Wäldern und einem rauschenden Gebirgsbach, klammert es sich an eine steile Felswand. Den Rückweg treten wir zu Fuss an, entlang der neu ausgebauten Strasse und des donnernden Bachs, der aufgrund der Schneeschmelze furchterregend viel Wasser führt. Zum Übernachten fahren wir nicht wie geplant weiter in den Nationalpark; die steile Strasse ersparen wir uns. Stattdessen entdecken wir kurz nach der Losfahrt die versteckte Nationalpark-Moschee mit grossem Parkplatz, wo wir uns für die Nacht einrichten.

 

25.4.2022

Zigana – Arsin, Türkei

Km: 80

Km Total: 14’100

Es ist 2:30 Uhr! Warum beginnt der Bericht mitten in der Nacht? Der liebe Muezzin hat es mit dem Timing nicht ganz im Griff, reisst uns aus dem Schlaf und ruft uns zu, wie gut Allah ist! Wir sind ja auch keine 100 m von den Lautsprechern entfernt. Die automatische Anlage spielte bereits gestern Abend verrückt, als er drei Mal innerhalb von zwei Stunden loslegte. Das war nicht genug um 2:30 Uhr. Der Gebetsruf ertönt um 3:40 Uhr nochmals in voller Lautstärke vom Minarett in unsere Richtung (normalerweise erschallt der Gebetsruf fünf Mal pro Tag).

Zum ersten Mal auf dieser Reise sehen wir das Schwarze Meer. Wir kommen in die Grossstadt Trabzon, wo wir mit etwas Glück ein tolles Restaurant finden, in welchem nicht nur das Übliche serviert wird.

Jetzt etwas Anderes: Typisch für die Türkei sind die oft älteren Männer, die in den unzähligen Tee-Lokalen den Tag hindurch sitzen und plaudern, Tee trinken, spielen und rauchen. Momentan ist aber bekanntlich Ramadan und wir finden es ziemlich amüsant, da nun die Männer genau gleich in diesen Lokalen draussen sitzen. Einfach ohne irgendetwas zu trinken, zu spielen oder zu rauchen.

An der völlig überbauten Küste, wo die Hauptstrasse immer in Meeresnähe ist, finden wir trotzdem ein Plätzchen für uns zum Schlafen. Etwa 20 km östlich von Trabzon.

 

26.4.2022

Arsin – Ovit Pass, Türkei

Km: 100

Km Total: 14’200

Wir verweilen nur kurz am Schwarzen Meer und gehen gleich wieder Tal einwärts in die Berge. Die Gebäude der stark besiedelten Küstenregion weichen rasch den Teeplantagen

Die Schwarzmeerküste ist dank der günstigen Witterungsbedingungen bekannt für den köstlichen typischen Schwarztee, den man landein, landaus bekommt. Jeder Quadratmeter scheint bebaut zu sein.

Weiter geht es Richtung Südosten in die Berge und die Baustellen häufen sich. 


Auf über 200 km wird an einem gigantischen Strassenprojekt gebaut! Die Hauptstrasse von Trabzon nach Erzurum wird von einer normalen Berghauptstrasse in eine vierspurige Riesenstrasse mit unzähligen Tunnels und Brücken umgewandelt! Wie oft in der Türkei fragen wir uns, ob es solche Bauten braucht, da wir oft auf leeren, mehrspurigen Strassen unterwegs sind. Oder werden solche Projekt zur Arbeitsbeschaffung und Ankurbelung der Wirtschaft gebraucht? Je höher wir kommen, desto mehr sieht es aus wie in der Schweiz. Die westlichen Kaşkar-Berge sind bekannt für ihre grüne Landschaft, im Osten hingegen für ihr karges, trockenes Erscheinungsbild.

Beim obersten neuen Tunnel angekommen, realisieren wir, dass die alte Passtrasse geschlossen ist, also entscheiden wir uns in der Nähe des Tunnelportals zu schlafen. Der Verkehr beschränkt sich auf wenige Fahrzeuge pro Stunde (da fragt man sich schon, ob so ein Strassenprojekt notwendig ist!?) und in der Nacht ist der Tunnel anscheinend gesperrt.

Da es hier ja aussieht wie in der Schweiz, passt das von den Eltern mitgebrachte Käsefondue perfekt :-). Wir haben eine herrliche, ruhige Nacht bei frischer Bergluft.

 

 


 

27.4.2022

Ovit Pass – Erzurum, Türkei

Km: 200

Km Total: 14’400

Nach einer sehr ruhigen Nacht in den Bergen, geht’s nach wenigen Metern direkt in den zweitlängsten (14km) Tunnel der Türkei rein. Mit gut 70km/h rollen wir genüsslich mitten durch den Berg. PÄNG, ein lauter Knall, es zieht uns nach links und ich muss das Lenkrad fest ergreifen, um den über 4 Tonnen schweren Wagen rechts an den Rand zu ziehen! Was zum Henker? Wieder eine Reifenpanne! Hinten links hat’s den Reifen zerfetzt. Genau diesen Reifen, den wir vor einem Monat flicken liessen.

Zum Glück hat es kaum Verkehr auf der zweispurigen Strecke. Wir müssen den Reifen mitten auf der Fahrbahn wechseln! Im Eilzugstempo stellen wir das Warndreieck auf. Als zusätzliche Sicherheit stellen wir in verschiedenen Abständen zwei Campingstühle mit Leuchtwesten mitten auf unsere Fahrbahn. Nach wenigen Minuten ertönt lautstark eine Lautsprecherdurchsage. Vermutlich, dass wir weiterfahren sollen ;-). Nach wenigen Minuten kommt ein Deutscher auf dem Motorrad und fragt, ob er uns helfen kann, und meint, dass im Tunnel schon früh signalisiert sei, dass man vorsichtig sein müsse. 


Wir lehnen dankend ab und weiter geht die Schrauberei. Weitere fünf Minuten später steht bereits die Tunnel-Security vor Ort und stellt ihren, mit Lauflichter bestückten Pick-up in die Fahrbahn. Jetzt sind wir schon beruhigter am Reifenwechseln. Die drei sehr freundlichen Männer packen gleich mit an und im Nu ist unser Reservereifen montiert.  

Nun geht’s ohne Reserverad weiter und auch ohne eine Möglichkeit, den kaputten Reifen flicken zu lassen! Relativ schnell ist entschieden, dass wir einen 200 km langen Umweg fahren und die grosse Stadt Erzurum ansteuern.

Das Finden neuer Reifen ist nicht ganz so einfach wie wir vermuteten. Beim grössten Reifenladen „Ersan“ werden wir nur bedingt fündig. Die einzigen brauchbaren sind BF Goodrich „Mud Terrain“. Eigentlich wäre uns der „All Terrain“ lieber gewesen, aber eine Bestellung würde anscheinend über zwei Wochen dauern! Wir überlegen uns das Ganze, ziehen weiter und sehen per Zufall einen weiteren grossen Reifenladen. Obwohl die Angestellten von „Ersan“ uns erklärten, dass wir sonst nirgends Reifen finden werden, versuchen wir unser Glück. Diverse Männer scharen sich um den Iveco und einer ruft sogleich „Ersan“ an :-). Nach 30 Minuten kommen wir endlich weg vom Laden und gehen in der Stadt etwas Essen.

 

Das Abendessen, eine lustige Geschichte:

Wir sehen also um 18:45 Uhr das kleine, hip aussehende Lokal „Spoil Sport“. Es ist immer noch Ramadan, es darf also erst nach Sonnenuntergang gegessen werden. Wir sehen ein paar Leute am Sitzen und gehen rein. Die einzige Frage die wir auf Türkisch stellen ist „Yemek?“, was so viel wie „Essen?“ heisst. Der Junge nickt und wir bekommen einen Tisch. Er bringt Datteln, einen Salat und einen Yoghurt-Dip. Die anderen Gäste haben dasselbe auf dem Tisch, aber keiner ist irgendetwas am Essen oder Trinken; es ist ja schliesslich Fastenzeit! Aber bis wann? Sollen wir auch warten? Wir sind unschlüssig, nehmen als einzige im Lokal einen Schluck Wasser und eine Dattel und schauen gespannt, ob uns jemand zusieht ;-). Im Internet prüfen wir um 18:55 Uhr, wann der Sonnenuntergang ist. 19:05 Uhr! Und wieder schauen wir einander an – sollen wir anfangen? Oder 10 Minuten warten? Wir fragen den Kellner nach Brot, und er gibt uns eine längere Antwort auf Türkisch. Das Einzige, was wir verstehen, ist „Ramadan“ und „Brot“. Also warten wir besser. Pünktlich um 19:05 Uhr fangen wir, sowie die anderen Gäste, an zu Essen :-). Nun, wir haben weder ein Menu gesehen, noch etwas bestellt, noch hat uns jemand etwas gefragt. Es wird einfach serviert.

Salat, Yoghurt-Dip, Brot und Wasser stehen bereits auf dem Tisch. Dann kommt eine Suppe, ein Glas Cola, später ein Gemüse-Fleisch-Tontöpfchen und zum Dessert Baklava und drei türkische Tees für jeden. Ist doch praktisch, dann muss man sich nicht überlegen was man Essen will ;-). Kostenpunkt für unser „Ramadan“-Menu: 9 Franken für beide!

Wir verbringen eine ruhige Nacht auf dem Parkplatz einer Wintersport-Gondelbahn.


 

28.4.2022

Erzurum – Yukarıçat, Türkei

Km: 60

Km Total: 14’460

Nachdem wir eine Nacht über die Reifengeschichte geschlafen haben, entscheiden wir uns, diese heute zu kaufen und montieren zu lassen. Nach fünf Reifenpannen innerhalb eines halben Jahres (ohne grosse Offroadfahrten), haben wir nun endgültig genug von schlechten Reifen und geflickten Schläuchen. Doch zuerst müssen wir uns noch um eine andere unangenehme Sache kümmern. Und zwar steht ein Gang in die Apotheke an, um ein Entwurmungsmittel zu kaufen! Tja, irgendwo haben wir leider diese gruseligen Dinger aufgelesen, die nun unser Hinterteil bevölkern! Mithilfe von Dr. Google konnten wir die Art der Tierchen bestimmen. Und nein, von Wulli kamen sie nicht, da diese Art von Würmern nicht von Tieren übertragen werden kann! Jedenfalls erhalten wir in der Apotheke das richtige Medikament und schlucken sofort die empfohlene Menge. Nun ist uns schon viel wohler, allerdings reine Kopfsache, die volle Wirkung des Medikaments entfaltet sich erst am nächsten Tag! Angekommen im Reifenfachgeschäft geht’s sofort zur Sache. Vier neue Reifen samt Schläuchen werden bereitgestellt. Zuerst geht’s den Hinterrädern an den Kragen. Wir bemerken schnell, dass die jungen Burschen in der Werkstatt den Umgang mit dem alten Spreizreifensystem nicht sehr gewohnt sind. Schon das Abmontieren der alten Reifen bereitet ihnen Mühe, nicht zu erwähnen das Montieren der Neuen! Es wird gemurkst was das Zeug hält, wir ertragen es fast nicht zuzuschauen. Stefan probiert immer wieder zu helfen und äussert seine Bedenken auch gegenüber dem Werkstattleiter. Dieser entgegnet nur, dass diese Arbeit normalerweise von einem erfahrenen Meister gemacht wird, der jedoch momentan abwesend ist. Na toll, da sind wir ja beruhigt… Es bleibt uns nichts anderes übrig, als das Geschehen so gut wie möglich zu überwachen und zu hoffen, dass alles klappt. Übrigens ist es hier in der Türkei nichts Unübliches, dass sich sämtliche Kunden in der Werkstatt aufhalten und den Arbeitenden zuschauen. Da in unserer Ecke am meisten Action ist, scharen sich zeitweise um die fünf Männer um unseren Monteur. Nach einer Stunde war dann der erste Reifen montiert und nach dem Zweiten hatte der Monteur den Dreh langsam raus. Nach gut drei Stunden und ein wenig Blut schwitzen, waren alle Reifen gewechselt und wieder am Iveco montiert. Der ganze Spass erleichtert uns um gut CHF 1000.-, in etwa gleich viel wie in der Schweiz! Kostspielige Sache diese Offroad-Reifen! Es war jedoch im Budget eingeplant, dass wir irgendwann während dieser Reise neue Reifen brauchen. 

Am Nachmittag besichtigen wir zwei Sehenswürdigkeiten der Stadt Erzurum. Die Zwillings-Minarett Medrese ist eines der prächtigsten Gebäude in Erzurum. Die zwei geriffelten Minarette aus Backstein, die mit auffälligen kleinen blauen Kacheln verziert sind, erheben sich über einem wunderschön gemeisselten Hauptportal. Im Inneren führt ein langer Arkadenhof in die Räume der ehemaligen Koran-Schule, wo es heute eine historische Ausstellung gibt. Die zweite Station sind die Ruinen eines Schlosses, wo wir ein Minarett erklimmen und ein schönes Panorama über Erzurum geniessen. Bevor wir endgültig aus Erzurum abreisen, wollen wir die neuen Reifen schon Mal ein bisschen testen. Deshalb fahren wir an einen ca. 40 km entfernten See, wo wir einen unerwartet schönen Platz zum Campen finden.

 

29.4.2022

Yukarıçat, Türkei

Tag am See.

 

30.4.2022

Yukarıçat – Uzundere, Türkei

Km: 150

Km Total: 14’610

Bei seinem frühmorgendlichen Rundgang um den Camper, entdeckt Stefan auf dem nahegelegenen Strässchen erneut Bärenspuren! Aber auch diese sind zum Glück nicht frisch! Laut unseren Recherchen ist der Braunbär in der Türkei vor allem im Pontischen Gebirge nahe der Schwarzmeerküste sowie in den Nordöstlichen Regionen vertreten. Allerdings sind nur spärlichen Informationen zu finden. Bevor wir losfahren, unternehmen wir eine kleine Wanderung entlang des Sees, bewundern die mit gelben und blauen Blümchen übersäten Wiesen und geniessen die Ruhe rund um den dünn besiedelten Stausee. Gegen Mittag kommen wir in Erzurum an, Mittagessen und Einkaufen, dann direkt weiter. Die Gegend rund um Erzurum muss eine Hochburg der Rinderzucht sein, wir sehen riesige Herden über die Felder ziehen.

Die weitere Fahrt führt uns erneut durch eindrucksvolle braun-rötliche und karge Felslandschaften, die über grünen Tälern liegen. Wir befinden uns im äussersten Nordosten der Türkei, dazu gehören die sogenannten georgischen Täler. Im Mittelalter gehörte ein Teil dieser Region zu Georgien, wovon einige Überbleibsel, in Form von Kirchen und Schlossruinen, bis heute überlebt haben. In einem Seitental besichtigen wir die Haho-Kirche, eine der grösseren und besser erhaltenen georgischen Kirchen in der Region. Erbaut im 10. Jahrhundert war sie einst Teil eines grossen Klosters und Zentrum für Kunst und Lernen, das bis ins 16. Jahrhundert aktiv blieb. Heute wird sie als Moschee genutzt und ist deshalb in einem gebührenden Zustand. Leider konnten wir die ehemalige Kirche nur von aussen besichtigen, das Eingangstor war verschlossen. Auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz entdecken wir einen Wegweiser zu einer Burgruine, die hoch oben auf einem Felsen thront. Doch wir kommen nicht rauf, die Strasse wurde durch ein Unwetter teilweise weggespült. Wir richten uns deshalb unten im schmalen Tal ein, umgeben von steilen Felswänden, neben einem rauschenden Fluss.

 

1.5.2022

Uzundere, Türkei

Aufgrund der schönen Umgebung und des ruhigen Platzes beschliessen wir noch einen Tag zu bleiben. Wir unternehmen eine kleine Wanderung zur Burgruine, die verschütteten Stellen der Strasse können wir zu Fuss problemlos meistern. Allerdings machen uns die brüchig aussehenden Felswände ein bisschen Angst, so dass wir zügig die hoch auf einem Felsen gelegene Burgruine erreichen.

Die Aussicht von hier oben ist sensationell, die rötlichen hohen Felswände sind beeindruckend. Über eine neuere Brücke erreichen wir die alten Gemäuer, welche halsbrecherisch bis an die äusserste Kante des senkrecht abfallenden Felsens gebaut wurden. Es wird angenommen, dass die Burg aus dem Mittelalter stammt. Eindeutigen Informationen über die Geschichte der Burg gibt es jedoch keine. Während der Wanderung beobachten wir einen grossen Vogel, der soeben in einer Felswand landet. Zum Glück haben wir unser Fernglas dabei. Wir erkennen die bemerkenswerte Grösse des Vogels sowie den weissen Kopf und erahnen, dass es sich um einen Geier handeln muss.

Oben angekommen, erkunden wir per Fernglas eine andere, teilweise kurios löchrige Felswand und entdecken auf einem Vorsprung prompt zwei weitere dieser grossen Vögel. Zurück beim Camper, fotografieren wir die Vögel mit dem Teleobjektiv, analysieren das Foto und unsere Vermutung, dass es sich um Geier handelt, erhärtet sich :-). Spätere Recherchen im Internet und eine Informationstafel bestätigen, dass es sich um Gänsegeier handelt.

 


 

2.5.2022

Uzundere – Tortum See, Türkei

Km: 70

Km Total: 14’680

Wie so oft in letzter Zeit, sind wir von den ersten Metern an begeistert von der phänomenalen Landschaft. Ein brauner Wegweiser entlang der Hauptstrasse verrät uns eine weitere Sehenswürdigkeit und wir stechen ein paar Kilometer in ein Tal hinein, sehen eine weitere Bergruine am Hang und fahren wieder zurück auf die Hauptstrasse.

Wenige Kilometer weiter geht’s schon wieder ein Seitental hoch. Diesmal zur beeindruckenden georgischen Öşvank-Kirche, die eingebettet in einem Dorf liegt.

In den Georgischen Täler ist diese, aus dem 10. Jahrhundert stammende, eine der grössten Kirchen. Von aussen macht sie, mit ihren Rissen in allen Wänden, einen Eindruck als fiele sie nächstens zusammen. Das Innere ist abgesperrt und die Kirche wird mit einer monströsen Stahlkonstruktion im Innern am Zerfall gehindert. Wir ziehen weiter und realisieren einmal mehr, dass der Osten der Türkei konservativer als der Westen ist. Und dieses Mal an den Hunden. Der Hund gilt im Islam generell als unrein.

An einer Kreuzung sehen wir ein Rudel abgemagerter, grosser Hunde. Hier im Osten werden die Streunerhunde weniger von der Bevölkerung gefüttert und sie werden weniger von den Gemeinden kastriert und geimpft (sieht man am Chip in den Ohren). Wir steigen aus dem Camper und nehmen etwas Brot und unser Hundefutter hervor und verteilen alles. Der Grund, dass genau hier etwa 15 Hunde sind, ist die illegale „Mülldeponie“ in der Nähe - eine tragische und nicht seltene Tatsache hier in der Türkei!

Wir wählen die alte Strasse oberhalb des Sees anstelle des brandneuen Tunnels und werden mit fantastischen Aussichten belohnt. Etwas Adrenalin holen wir uns auf einer Glasplattform eines Restaurants, wo es direkt unter uns 100m nach unten geht. Am Ende des Sees statten wir dem Tortum-Wasserfall einen Besuch ab.

Unmengen von Wasser donnern herab. Angeblich ist seit 20 Jahren nicht mehr so viel Wasser gekommen. Im Restaurant beim Fall werden wir sogleich von einem netten Mann, dessen Familie die Besitzer des Lokals sind, eingeladen zum Tee. Er, und auch sein 11-jähriger Sohn, sprechen Englisch und so können wir uns über alles Mögliche unterhalten. Er erzählt uns, dass er für die UN zwei Jahre im Sudan als „Peace Keeper“ war. Mit seiner Drohne schiesst er noch einige wundervolle Bilder des Wasserfalls für uns :-).

Nach kurzer Fahrt gibt’s Mittagessen. Das einzige auf dem Menu: Fleisch-Spiess mit Brot und Zwiebeln. Der Besitzer erklärt uns, dass das arme Schaf am Spiess sehr frisch sei und gestern noch gelebt habe.

Jetzt noch ein Tee. Wir stehen auf, gehen nach draussen und fragen für einen Tee. Wir werden gleich selbst in die Küche geschickt, da hier jeder selbst seinen Tee macht :-). Zum Glück sind wir erfahrene Teetrinker und wissen, dass man zuerst den starken Schwarztee bis in die Hälfte in die bauchigen Gläschen giesst, und dann den Rest mit heissem Wasser auffüllt.  

In der Türkei gibt es eigens für ihren Schwarztee speziell eingerichtete Tee-Maschinen. Wir fahren ein paar Kilometer zurück und nächtigen bei super Aussicht oberhalb des Sees.

 

3.5.2022

Tortum See, Türkei

Tagebuch schreiben, Fotos sortieren, Internetseite bewirtschaften, Tee trinken im Beizli und Aussicht geniessen. 

 

4.5.2022

Tortum See – Yusufeli, Türkei (Ein Staudamm versenkt eine Stadt)

Km: 80

Km Total: 14’760

Wir sind gerade gemütlich am Zusammenpacken, als ein elegant gekleideter junger Bursche daherkommt und uns freudig begrüsst. Im Schlepptau hat er einen kleinen Jungen. Er spricht ein paar einzelne Worte Englisch, doch die Kommunikation wird schnell schwierig. Jedenfalls verstehen wir, dass er unbedingt im nahegelegenen Restaurant mit uns Tee trinken will. Wir freuen uns über die Einladung, probieren ihm aber zu erklären, dass wir zuerst zusammenpacken wollen und dann in ca. 20 Minuten ins Restaurant kommen. Er versteht zwar nicht ganz, wieso wir noch so lange brauchen, doch er rauscht mit dem kleinen Jungen ab und kommt ca. 5 Minuten später alleine zurück. Er springt in den Iveco rein und möchte am liebsten direkt losfahren :-). Der junge Bursche namens Emen ist ziemlich hibbelig und sehr gesprächig. Wir merken, dass wir unseren gemütlichen Plan verwerfen müssen, beeilen uns mit dem Zusammenpacken und fahren mit dem aufgestellten Jungen ins Restaurant :-).

Zusammen mit dem Besitzer und Emen trinken wir Tee, essen eine Kleinigkeit und unterhalten uns so gut es geht. Es sind beides sehr freundliche liebe Kerle und wir freuen uns, die zwei kennengelernt zu haben :-). Gerade als wir im Aufbruch sind, kommen weitere Gäste ins Restaurant. Einer spricht uns sofort auf Englisch an. Wir plaudern kurz mit ihm und erfahren, dass er für den türkischen Skiverband arbeitet und dort für die Zeitmessungen zuständig ist. Aufgrund seines Jobs ist er auch schon ein paar Mal in der Schweiz gewesen, unter anderem bei TagHeuer in La Chaux-de-Fonds. Auch dies eine spannende Begegnung.


Wir wollen ihn aber nicht länger aufhalten, bedanken uns bei Emen und dem Besitzer für die Einladung und machen uns auf den Weg. Auch heute fahren wir wieder durch die fantastischen und abwechslungsreichen Bergtäler des Nordostens.

Am frühen Nachmittag kommen wir in Yusufeli an, ein Dorf bzw. Tal mit einem tragischen Schicksal. Seit dem Jahr 2013 wird hier an einem gigantischen Staudamm (270m Hoch) gearbeitet und schon bald wird das ganze Tal inklusive vielen Seitentälern geflutet.

Rund 12'000 Menschen sind von der Umsiedlung betroffen. Die Häuser und das Land der Bewohner wurden enteignet. Mit den erhaltenen Entschädigungen können sie sich in der neu gebauten Siedung „Neu-Yusufeli“, hoch oberhalb ihrer alten Heimat, eine Wohnung in einem der vielen Wohnblöcke kaufen. An dieser neuen Siedlung wird aktuell mit Hochdruck gearbeitet. Allerdings werden wohl für die vielen Landwirtschaftsbetriebe und Selbstversorger die trockenen Felsböden nicht wirklich ein angemessener Ersatz für das überflutete Land sein... 


Auch nicht zu übersehen ist die momentan im Bau stehende riesige Brücke, deren mächtigen, ca. 140 Meter hohen Betonpfeiler am Dorfrand stehen!

Ein absurdes Bild… Hierfür mussten bereits einige Gebäude abgerissen werden; im Dorf selbst herrscht jedoch noch immer reges Treiben und von der bevorstehenden Umsiedlung spürt man als Tourist nichts. Hoch über dem Tal entstanden in den letzten 10 Jahren etliche neue Verbindungsstrassen mit rund 39 Tunnels und etlichen Brücken. Ein gigantisches Projekt! Übrigens wurden die Generatoren für das Mammutkraftwerk von der Schweizer Firma Alstom geliefert. Die Zusage des Bundesrats bezüglich einer Exportrisikoversicherung wurde von Schweizer Menschenrechtsorganisationen scharf kritisiert. Nebst den mangelhaften und undurchsichtigen Umsiedlungsplänen der türkischen Regierung wurde auch die Missachtung von ökologischen Standards beanstandet. Wie an vielen anderen Orten auf der Welt, fällt auch hier wertvoller Lebensraum für Mensch und Tier dem Wirtschaftswachstum und Wohlstand zum Opfer.

Nach einem leckeren Mittagessen im Dorf, fahren wir eine provisorische Strasse hoch, von wo wir eine eindrückliche Aussicht über die Brücken-Baustelle sowie das alte und neue Dorf haben. Ein Platz neben der Strasse ist belegt mit unzähligen Bienenstöcken, übrigens ein verbreitetes Handwerk in dieser Gegend. Ein Mann hält uns dort an, wir steigen aus, plaudern mit ihm, er öffnet einige der Bienenstöcke und zeigt uns die Waben, die dicht von arbeitenden Bienen belegt sind. Wir sind beeindruckt, haben wir doch beide so etwas noch nie aus nächster Nähe gesehen. In der nächsten Zeit will er mit den Bienen weiterziehen, er hat verschiedene Standorte, wo er die Bienen arbeiten lässt :-). Wir fragen ihn, was er vom Staudamm hält. Er erzählt, dass der Umzug nach „Neu-Yusufeli“ für ihn kein Problem sei, die neuen Wohnungen seien schön und er habe dann Aussicht auf den See, die Entschädigungen für die Enteignungen seien für die Meisten gut ausgefallen. Ein grosses Problem sei aber der ganze Dreck und Lärm, welche die vielen Baustellen über die Jahre hinweg verursachen. Und es gäbe schon einige, vor allem junge Leute, die in die Stadt weggezogen seien. Gerne hätten wir noch mehr erfahren, jedoch ist Google-Translate für ernsthaftere Gespräche definitiv ungeeignet… Regenwolken ziehen heran und wir machen uns bald auf den Weg. Unser Ziel ist das östliche Kaçkar Gebirge, wo wir eine Wanderung geplant haben. Allerdings fahren wir heute nicht die ganze Strecke ins abgelegene Tal. Die Strasse wird immer schmäler und schlechter. Wir kommen bei einem Hotel mit Restaurant und kleinem Campingplatz unter und geniessen zum Znacht zwei frische Forellen aus der eigenen Fischzucht.

 

5. – 6.5.2022

Yusufeli, Türkei

Auch hier ist der Muezzin am Morgen früh präsent, das lustige aber ist, dass die Hunde in der Nähe anfangen zu heulen sobald der Gebetsaufruf kommt :-). Das war übrigens während unserem letzten House-sit mit den drei Hunden in Fethiye auch so. Das schlechte Wetter nutzen wir um Tagebuch zu schreiben. Neben Jonglieren üben unternehmen wir bei grauem Himmel eine kleine Wanderung im Tal.

 

7.5.2022

Yusufeli – Amenesket (Altiparmak), Türkei

Km: 20

Km Total: 14’780

Tiefer und tiefer fahren wir ins Tal hinein. Im ersten Dorf auf der Strecke decken wir uns mit Brot ein. Und weiter bis ins Dorf Altiparmak, das auf 1300m liegt. 

Die Strasse ist eher von der schmalen Sorte und wir sind froh, dass unser Iveco nicht so breit ist und wir die wenigen entgegenkommenden Fahrzeuge gut kreuzen können. Hier in Altiparmak gibt es neben den Wohnhäusern auch einige kleine Restaurants, Unterkünfte und Shops und es dient als Basis für Wanderungen in den Kaçkar-Bergen. Die Leute leben hier nebst der Landwirtschaft auch vom Tourismus, der in den letzten zwei Jahren pandemiebedingt brachlag. Der Tourismus wurde auch wegen des Baus des Staudamms etwas beeinträchtigt. Da wir im Camper unterwegs sind und oft keine Unterkünfte brauchen, ist es für uns wichtig, trotzdem das lokale Gewerbe zu unterstützen. Deshalb gönnen wir uns im gemütlichen Ort etwas Leckeres zu Essen. Beim Nachbar werden wir auf einen Tee eingeladen, gehen nochmals etwas Proviant einkaufen und verlassen das freundliche kleine Bergdörfchen. Da uns niemand von den Einheimischen abgeraten hat das Strässchen weiterzufahren, legen wir los. Steiler und schmaler als vor dem Dorf Altiparmak geht’s weiter. Ab und zu sehen wir vereinzelt noch ein Wohnhaus. Stromleitungen hängen im Weg und wir müssen sehen, dass wir mit unserem Gefährt neben- und untendurch kommen. 

Es ist nicht mehr asphaltiert und lästigen Steinen muss ausgewichen werden. Wir hoffen vergebens auf einen flachen Platz zum Schlafen. Das Strässchen geht höher und höher in die Berge und bald haben wir den Schnee neben uns. Die Haarnadelkurven sind so eng, dass wir nicht nur hin und her manövrieren, sondern auch einige Steine aus dem Weg schaffen müssen. Per Zufall finden wir doch noch einen wunderbaren Platz zum Schlafen, bei einer kleinen Siedlung mit einige Sommer-Alphütten.

Zum Glück, denn weiter können wir wegen des Schnees sowieso nicht fahren! Wir sind völlig alleine und abgeschieden in den wunderschönen Kaçkar Bergen.

 

8.5.2022

Amenesket (Altiparmak), Türkei

Der alte Schnee liegt ja neben unserem Iveco, aber wir versuchen trotzdem eine Wanderung dem Weg entlang in die Höhe zu unternehmen.

Nach etwa einer Stunde und knappen 200 Höhenmetern (auf 2300m) müssen wir wegen zu viel Schnee kehrtmachen und zurück in unser Lager gehen. Trotz des kurzen Wegs und dem bedeckten Himmel wars schön. Die Kaçkar Bergregion ist mit seinen fast 4000m hohen Gipfeln und den 3000m Hohen Plateaus ein beliebtes Ziel zum Wandern und Bergsteigen. Die restliche Zeit geht wieder ans Tagebuch; aber hey, wir sind nun praktisch ajour :-).

Übrigens müssen wir am Abend wieder die Heizung laufen lassen, da das Aussenthermometer 2°C anzeigt!


 

9.5.2022

Amenesket (Altiparmak) – Yusufeli, Türkei

Km: 30

Km Total: 14’810

Wir nehmen die üble Strecke zurück nach Altiparmak (10km) in Angriff. Die erste Hälfte dieses unwegsamen Geländes sind wir meistens nur im ersten Gang! 

Nach einem Mittagessen in Altiparmak landen wir zurück auf demselben Camping wie vor zwei Tagen.

 

10.5.2022

Yusufeli – Kalburlu (Artvin), Türkei

Km: 120

Km Total: 14’930

Während der Fahrt zurück nach Yusufeli geniessen wir nochmals die Landschaft des schönen Altiparmak-Tals. Anhand der teilweise bereits erbauten Brücken und Tunnels, können wir uns ungefähr vorstellen, wie weit der Stausee in dieses Tal vordringen wird. Ein komisches Gefühl, zu wissen, dass dies alles schon bald unter Wasser sein soll. Auch in Yusufeli machen wir nochmals einen Stopp inkl. Mittagessen, Einkaufen und Teetrinken am Fluss.

Bei der Weiterfahrt merken wir bald, dass Google Maps hier nicht auf dem neusten Stand ist und einige der eingezeichneten Strassen gar nicht mehr existieren. Nun ja, vielleicht hätte sich der nun zu fahrende Umweg auch durch eine seriösere Planung vermeiden lassen... ;-). Jedenfalls erreichen wir bald die neue Strasse, welche uns über riesige Brücken und unzählige Tunnels führt. Die wenigen Ausblicke ins tiefe Tal sind ergreifend, da auch hier der Hintergedanke im Kopf ist, dass dies bald alles unter Wasser sein wird. Und wie dies dann aussehen wird, erfahren wir während der weiteren Fahrt. Der Fluss Çoruh, der auch in Yusufeli gestaut wird, ist bereits mit zwei funktionstüchtigen Staudämmen versehen!

Die ganze heutige Fahrt führt uns entlang dieser Stauseen, wo die lauschigen grünen Täler verschwunden sind und nur noch die karg bewachsenen Berge aus dem Wasser ragen. Auch diese Seenlandschaft hat ihren Reiz, doch irgendwie fehlt halt doch etwas… Sehr viel von der Landschaft sehen wir aber leider nicht, die Strasse führt vorwiegend durch den Berg. Ab und zu gibt es Abzweiger, die in abgelegene Bergdörfer führen und ganz vereinzelt sieht man noch Dörfer in der Nähe des Sees. 


Gegen Abend suchen wir einen Übernachtungsplatz und biegen vor einem Tunnel, in kleines holpriges Nebensträsschen ein, vermutlich eine alte Baustrasse, direkt am See. Nach kurzer Fahrt bewegt sich auf der Strasse, rund 50 Meter vor uns, plötzlich ein Tier. Beide sehen sofort, dass es sich um etwas nicht Alltägliches handelt, doch wir trauen unseren Augen nicht! Vor Schreck lassen wir noch kurz den Motor laufen, das Tier läuft langsam den steinigen Hang rauf. Sofort zücken wir das Fernglas und tatsächlich, es ist ein Luchs! Er lässt sich von uns nicht gross stören, läuft seelenruhig weiter den Hang rauf und verschwindet hinter einem Steinhaufen.

Zusätzlich zum Fernglas bewaffnen wir uns mit Fotoapparat, steigen aus dem Auto und schleichen behutsam dem Strässchen entlang. Hinter dem Steinhaufen ist der Luchs jedoch nicht mehr. Wir suchen den Hang ab und entdecken ihn in der Felswand, auf einem Vorsprung kauernd. Von blossem Auge ist er kaum zu erkennen, mit seinem gut getarnten Fell verschwindet er fast in der Felswand. Er beobachtet uns eine Weile und klettert dann behände eine kurze Felspassage hinauf bis er schlussendlich zuoberst im hohen Gebüsch verschwindet. Wow, was für ein Erlebnis! Wir können unser Glück gar nicht richtig fassen! Nie und nimmer hätten wir damit gerechnet, hier einen Luchs anzutreffen! Welch schönes Tier! Und erst noch einer von der entspannten Sorte! Was uns allerdings aufgefallen ist, dass er ziemlich mager ist und wir fragen uns, was ihn überhaupt so nahe an die Strasse und den Stausee getrieben hat. Nun, wir hoffen, dass der arme Kerl bald etwas Rechtes zu beissen findet! Die Nacht verbringen wir ganz in der Nähe der Luchssichtung mit schöner Aussicht auf den See.

 

11.5.2022

Kalburlu (Artvin) – Şavşat, Türkei

Km: 80

Km Total: 15’010

Ein Frühstück draussen, das gabs dieses Jahr noch kaum :-). Der Frühling kommt doch langsam zum Vorschein.

Die Region um das Städtchen Artvin, wo wir unser Mittagessen nehmen, ist umgeben von mehreren grossen Stauseen. Mehr und mehr fragen wir uns, ob die Stromerzeugung der einzige Grund für diese enormen Wasserreservoire ist! Oder könnten sie letztendlich auch als gigantische Wasserspeicher dienen, in einer fernen Zukunft, wo Wasserknappheit in weiten Teilen der Welt die Regel sein wird.

Artvin selbst ist zu unserer Überraschung sehr modern. Vermutlich auch wegen der dortigen grossen Universität. So modern, dass wir im Migros sogar Hundefutter kaufen können :-). Die kleine Stadt ist extrem an den Hang gebaut, und so kommt es, dass wir mit dem Iveco von unten, wo wir unser Mittagessen nehmen, bis oben, wo wir im Migros einkaufen gehen, 300 Höhenmeter bewältigen!

Es geht weiter gegen Osten und wir sind mittlerweile nur 20km Luftlinie von Georgien entfernt. Endlich weicht der Stausee wieder dem eigentlichen Fluss, aber dafür begegnen uns öfters Schilder, die uns vor Steinschlag warnen. Anhand der vielen Steine am Strassenrand sind diese Schilder nicht vergebens aufgestellt! 

In dem engen Tal finden wir dann doch noch endlich einen Platz zum Schlafen. Auf einem (vermutlich) ausgedienten Parcours für lernende Autofahrer parkieren wir mitten auf der „Strasse“ :-).


 

12.5.2022

(Kurz vor) Şavşat – (Kurz nach) Şavşat, Türkei

Km: 20

Km Total: 15’030

In kleinen Orten wie Şavşat, wo wir unser Mittagessen nehmen, werden wir regelmässig angesprochen. Obwohl unser Türkisch sehr gering ist (etwa 100 Wörter), haben die Leute immer sehr Freude, wenn wir ein paar Worte sagen können. Es ist etwas erschreckend, dass hier im Osten der Türkei, kaum jemand auch nur ein bisschen Englisch spricht!

Über einen steinigen und steilen Weg geht’s hinunter an unseren Schlafplatz am Fluss, wo uns bald darauf ein Schafhirt mit seinen Tieren besucht.

 


 

13.5.2022

Şavşat – Karagöl-Sahara Nationalpark, Türkei

Km: 10

Km Total: 15’040

Auf der kurzen Strecke in den Karagöl-Sahara Nationalpark (hat übrigens nicht viel mit Sahara zu tun, es sieht hier aus wie in der Schweiz) begegnen wir wieder einmal mehr abgemagerten Hunden am Strassenrand.

Ein schreckliches Bild! Wir halten an und verteilen Hundefutter und Brot. Zwei der Hunde sind noch sehr jung und es schmerzt zu sehen, dass bereits diese hungern.

 


Und da sind wir angekommen, im Nationalpark Karagöl-Sahara.

Der See, inmitten eines Waldes und mit schneebedeckten Berggipfeln im Hintergrund ist schon sehr idyllisch und malerisch! Nach dem Mittagessen (bestehend aus einem reichhaltigen Frühstück) im See-Beizli spazieren wir in der Gegend umher und lauschen den Fröschen.


 

14.5.2022

Karagöl-Sahara Nationalpark – Çil Gölü, Türkei

Km: 20

Km Total: 15’060

Ein sonniger warmer Frühlingstag beginnt und es juckt uns in den Füssen! Die Region rund um den Ort Şavşat versprüht bereits einen Hauch des nahen Kaukasus: Bergbäche, Schluchten, Wälder, Alpgebiete und Gebirge prägen das Landschaftsbild. Wir schnallen die Wanderschuhe an und stechen in den steilen Wald hinauf. Gut zwei Stunden steigen wir durch den einsamen, ruhigen und sauberen Tannenwald auf, vorbei an schönen Lichtungen mit grossen Waldwiesen oder kleinen Seen. Laut dem Personal des Seerestaurants soll es hier auch Bären geben, so sind wir immer ein bisschen auf der Hut… Doch ausser einem flinken Eichhörnchen und verschiedenen Vögel begegnen uns leider keine Tiere. Endlich lichtet sich der Wald und wir kommen in ein Alpgebiet, wo bereits einige Kühe das kurze Gras abknabbern.

Es gibt in diesen Alpgebieten keine einzelnen isolierten Alphütten wie bei uns zuhause, sondern eher ganze Alpdörfer, sogenannte „yaylalars“. Auch ein grosser Unterschied zu unserer Landwirtschaft ist, dass es in diesem Land praktisch keine Zäune gibt. Nicht nur in den Alpgebieten, sondern auch im Tal, ja eigentlich im ganzen Land, werden die Viehherden (Kühe, Schafe, Ziegen) immer von einem Hirten überwacht. Oh wie oft haben wir die Hirten bereits um ihren Job beneidet ;-).

Da wir heute noch einen anderen Übernachtungsplatz ansteuern wollen, müssen wir schon bald an den Rückweg denken. Wir machen noch einen kurzen Halt und sehen bald einen Mann auf uns zukommen. Der nette Herr kommt von der nahegelegenen Fischzucht, hat uns von weitem gesehen und ist extra zu uns gelaufen, weil er neugierig ist, was wir hier machen, woher wir kommen und wohin wir wollen :-). Auch wir möchten eigentlich mehr von ihm erfahren, doch wie so oft scheitert es an der fehlenden gemeinsamen Sprache :-(. So machen wir uns auf den Weg, leider müssen wir die gleiche Strecke zurücklaufen. Unser geplanter Übernachtungsplatz für heute befindet sich nur ca. 15 Minuten entfernt, wiederum an einem See. Je näher wir dem Gewässer kommen, umso schlammiger wird der Weg. Genau das richtige Gelände um endlich unsere neuen Mud Terrain Reifen zu testen :-). Ein bisschen unwohl ist uns schon, als wir durch die schlammigen Passagen fahren, doch der Iveco mit seinen neuen Finkli schlägt sich bravurös :-). 

Der See, welcher sich als Moor entpuppt, ist einfach fantastisch gelegenen, umgeben von Wiese und Wald liegt er total idyllisch und weit entfernt vom nächsten Dorf. Absolute Ruhe könnte man meinen. Doch der Schein trügt, denn in diesem Moor leben hunderte wenn nicht tausende von Fröschen, die momentan in der Paarungszeit sind und sich deshalb lautstark bemerkbar machen! Natürlich sind wir absolut begeistert von diesem Froschkonzert! Wir freuen uns, dass wir unser 1-jähriges Reisejubiläum ein einem solch aussergewöhlichen Ort feiern dürfen. Auch Wetter und Temperatur spielen mit und wir geniessen den Abend bei Wein und Froschquaken :-). Übrigens wurde das Geräuschpegel mit dem Einbruch der Dämmerung immer lauter und die Frösche quakten uns noch um 23.00 Uhr friedlich in den Schlaf :-).

 

15.5.2022

Çil Gölü – Passstrasse Ardahan, Türkei

Km: 20

Km Total: 15’080

Bereits gestern Abend beobachteten wir das fröhliche Froschgeschehen. Heute steht noch die Fotosession mit den lustigen Kerlchen an, die während des Quakens ihre Backen wie Kaugummis aufblasen.

Als wir entlang des Moors laufen, schwirren immer wieder Libellen in die Lüfte, die sich sehr zahlreich im Ufergras tummeln. Zurück beim Camper bekommen wir Besuch von einem netten Kuhhirten und die übliche holprige Unterhaltung nimmt ihren Lauf.

In der Nähe gibt es einen Aussichtspunkt, zu dem wir anschliessend eine kurze Wanderung unternehmen. Hier ist nicht nur die Aussicht toll, es gibt auch noch spezielle Sand-Felsformationen am steilen Abhang zu sehen. Zur Mittagszeit sind wir zurück beim Camper und entscheiden uns schweren Herzens den wunderschönen Platz zu verlassen. 

Die Wettervorhersage meldet Regen und angesichts der jetzt bereits schlammigen Strasse, könnte es mit noch mehr Wasser kritisch werden (trotz Mud Terrain Reifen ;-). Zudem ist unser Proviantvorrat nicht optimal… 


Über eine kleine kurvige Strasse geht’s deshalb zurück zur Hauptstrasse, wo wir vor drei Tagen in Richtung Nationalpark abgebogen sind. Hier gibt es auch ein Restaurant, wo wir ein verspätetes aber sehr leckeres Mittagesessen bekommen. Und wir werden überrascht von einem fondueähnlichen Gericht, einem Teller voller geschmolzenen Käse!

Die Fahrt geht weiter eine Passstrasse rauf, wo wir uns langsam nach einem Übernachtungsplatz umsehen. Da in der Nacht wieder einmal Minustemperaturen zu erwarten sind, entschliessen wir uns, nicht bis ganz auf die Passhöhe zu fahren. Wir stoppen auf einem Picknickplatz, wo viele Einheimische ihr sonntägliches Grillieren zelebrieren. Es gibt hier eine Quelle, wir tanken Wasser und finden entlang einer Nebenstrasse einen schönen Platz mit Aussicht zum Übernachten.

 

16.5.2022

Passstrasse Ardahan – Aygır Gölü, Türkei

Km: 120

Km Total: 15’200

Ich krieche aus dem Bett, öffne das Rollo in der Küche und traue meinen Augen nicht! Schnee! Mann, das gibt’s doch nicht! Mitte Mai auf 1900m und es ist weiss! Naja, wir können ja fürs Frühstück heizen, aber trotzdem!

Jetzt geht’s erst mal weitere 570m rauf auf den 2470m hohen Pass. Zum Glück bleibt die Strasse normal befahrbar! Auf der anderen Seite des Passes kommt irgendwann die Stadt Ardahan wo wir Mittagessen. Von Ardahan in Richtung Kars wird es immer wie flacher und grosse Kuhherden, grüne Flächen und Bauerndörfer prägen das Bild.

Unterwegs finden wir dank der Satellitentechnik und Google einen schönen See zum nächtigen. Auch hier ist der Sommer sehr weit entfernt und in der Nacht bewegen sich die Temperaturen (hier auf 2100m) um den Gefrierpunkt rum.


 

17.5.2022

Aygır Gölü – Kars, Türkei

Km: 50

Km Total: 15’250

Geweckt werden wir um 6 Uhr von den gefiederten Gästen die auf unserem Dach spazieren :-). Auch ein Fischer fährt frühmorgens mit dem Boot auf den See und kommt kurze Zeit später mit frischen Fischen zurück.

Wir kommen schon bald in Kars an, einer Stadt mit 80'000 Einwohner auf 1800m. Kars ist anders als die anderen Städte! Dank der grossen Universität und vielen jungen Leuten ist Kars erstaunlich modern und hip. Einige coole Cafés, moderne Kneipen und gemütliche Parkanlagen sind in der Stadt präsent. Kars ist generell nicht so hektisch wie andere Städte in der Türkei.


Ein weiterer Grund wieso Kars uns anders erscheint, ist die Geschichte. Wegen der russischen Besetzung im 19. Jahrhundert sieht es mit seinen pastellfarbenen Steingebäuden und dem geordneten Strassennetz aus wie ein Städtchen in Russland. Einige der alten „Belle époque“ Herrenhäuser schaffen es sogar vor unsere Linse.

Weiter besuchen wir die Kümbet Moschee, wo uns der für die Reinigung zuständige Mann für ein Trinkgeld herumführt und mit Google-Translate die nötigen Informationen dazu gibt :-). Das Gotteshaus wurde vor 1100 Jahren als Kirche gebaut, 130 Jahre später zur Moschee umfunktioniert, im 19. Jahrhundert von den Russen wieder zur Kirche transformiert und ist heute wiederum eine Moschee! Nach wie vor sind aber die eingemeisselten Reliefs der 12 Apostel an der Kuppel sichtbar.

Am Schluss unseres Touristenprogramms steht nun noch das Schloss aus dem Jahre 1153, von wo aus wir eine tolle Aussicht auf die Stadt geniessen.     

 

18.5.2022

Kars – Ani, Türkei (Weltkulturerbe Ruinenstadt Ani)

Km: 120

Km Total: 15’370

Heute steht der Besuch der Ruinenstadt Ani auf dem Programm, ein historisches Highlight Ostanatoliens. Dieses liegt rund 40 km von Kars entfernt, direkt an der armenischen Grenze. Um den Mittag kommen wir dort an und werden auf dem Parkplatz das erste Mal auf dieser Reise von bettelnden Kindern empfangen. Sie verkaufen kleine Blumensträusschen oder fragen nach Süssigkeiten. Wir lassen uns erweichen und geben ihnen ein Päckli Güetzi… Nach dem Mittag erkunden wir die historische Stätte, deren übriggebliebenen Gebäude über ein grosses Gelände verstreut sind. Fast mehr als die alten Gemäuer fasziniert uns deren Lage und die Landschaft ringsherum. 

Die Ruinenstadt liegt auf einem grossen Plateau, welches ringsum von einem Canyon und hohen Felswänden begrenzt ist. Bereits dem armenischen König Ashot III haben diese natürlichen Verteidigungsanlagen zugesagt und er wählte deshalb die Stadt Ani im Jahr 961 als seine neue Hauptstadt. An der Seidenstrasse gelegen, entwickelte sie sich zu einer mächtigen und ruhmreichen Stadt, in der Blütezeit die Heimat von fast 100,000 Menschen. Dies blieb bis Mitte des 11. Jahrhunderts so, bis kurz die Byzantiner übernahmen, gefolgt von den Seldschuken, Georgiern und Kurden bis schlussendlich die Mongolen die Stadt stürmten. Diese hatten allerdings aufgrund ihres nomadischen Lebensstils wenig Nutzen für die Stadt und so kümmerte es sie nicht gross, als diese im Jahr 1319 von einem starken Erdbeben zerstört wurde. All diese Völker hinterliessen ihre Spuren, die heute noch vorhandenen Ruinen stammen hauptsächlich aus den Zeiten der Armenier, Seldschuken und Georgier. 

Nach der fünfstündigen Erkundungstour (mit Gewitterpause!) kommen wir zurück zum Camper und wollen uns auf dem grundsätzlich ruhigen Parkplatz für die Nacht einrichten. Bereits von Weitem sehen wir die Schar Kinder vor dem Iveco stehen. 

Die Buben probieren das kleine alte Spielzeugauto, welches wir aus Jux mit einem Kabelbinder am Kühlergrill befestigt haben, abzureissen. Aber hallo? Zugegeben, so ein Spielzeugauto ist natürlich verlockend für kleine Buben, aber trotzdem! Da Kabelbinder ziemlich zäh sind, machen wir uns Sorgen, dass bei starkem ziehen nicht das Spielzeugauto, sondern der ganze Kühlergrill daherkommt! Wir machen uns sofort bemerkbar und die Buben schauen uns verschmitzt an. Sofort werden wir von der ganzen Schar belagert. Die Treppe vom Iveco wird kurzerhand zum Spielzeug, jeder will mal den Knopf drücken.


Irgendwann wird es uns zu bunt und wir beschliessen den „nicht mehr so ruhigen“ Parkplatz zu verlassen und einen anderen Schlafplatz zu suchen. Beim Wegfahren rennt uns ein tollkühner Junge nach und hängt sich an den hinten am Auto befestigten Reifen… Ein nicht ganz ungefährliches Spiel! Wir beobachten das Ganze in der Rückfahrkamera, halten an und probieren ihn mehrmals davon abzuhalten. Er bleibt jedoch hartnäckig hinter uns, bis wir endlich schneller fahren können und er uns nicht mehr hinterherkommt. Das Finden eines anderen Schlafplatzes ist schwieriger als gedacht. Nach einer knappen Stunde sind wir genervt wieder zurück auf demselben Parkplatz. Die Kinder sind nun zuhause, einzig das Bellen der Dorfhunde mitten in der Nacht stört unseren Schlaf.

 

19.5.2022

Ani – Kars, Türkei

Km: 60

Km Total: 15’430

Die Landschaft um Ani herum ist so schön, dass wir uns für eine Wanderung in den umliegenden, kleinen Tälern (Schluchten) entschliessen. Fast wie in Kappadokien sehen wir etliche von Menschenhand geschaffene Felsenhöhlen. Zu Beginn unserer Wanderung treffen wir auf ein paar Bauarbeiter, die an einem langen Zaun rund um das Weltkulturerbe Ani arbeiten. Sie erklären uns, dass wir wegen Hirtenhunden nicht rechts, zu den weiteren Felsenhöhlen gehen sollen; also gehen wir links :-).

In dieser Gegend geht kaum ein Tourist wandern, alle sehen sich nur Ani an. Eigentlich sehr schade, denn wir sind voll begeistert von der Landschaft und der Umgebung. Bald treffen wir auf zwei Kuhhirten, wovon einer zu unserem grossen Erstaunen ein paar Worte Englisch kann. Sie erklären uns, dass wir nicht allzu weit gehen sollen, da es weiter vorne eine Militärstation hat. Wir befolgen den Ratschlag natürlich, wir sind ja nach wie vor nur wenige 100m von Armenien entfernt. Übrigens sind alle Grenzübergänge Türkei – Armenien immer noch, aus politischen Gründen, gesperrt.

Entlang wundervoller Blumen- und Kräuterbestückten Grasflächen, die von etlichen Kühen mit Wonne abgefressen werden, erreichen wir bald den Grenzfluss zu Armenien. Wir sehen nebst den uns bereits bekannten Ruinen, auch einzelne weitere Ruinen von Ani, die man vom offiziellen Besucherbereich aus nicht sieht.

Auf dem Rückweg kommen wir wieder bei den Bauarbeitern vorbei, die gerade ihre Mittagspause machen und uns sogleich zum Tee einladen. Eine gemütliche und lustige Runde, die jedoch bei Geldfragen endet. Natürlich ist es für sie unmöglich eine solche Reise zu machen und wir sind in ihren Augen reich, was ja eigentlich von ihrem Standpunkt aus auch stimmt. Die Löhne von diesen Männern bewegen sich zwischen 350 und 400 Franken im Monat, und das muss für die ganze Familie reichen. 


Wir fahren die gleiche Strecke zurück, die wir gekommen sind.

Kurz vor Kars fallen uns wieder die auf der Strasse stehenden Fahrlehrerautos mit Fahrschülern auf, die versuchen am Hang anzufahren. Etwas kurios, denken wir, dies mitten auf einer vierspurigen Hauptstrasse zu üben! Aber falsch gedacht, wir sehen ein offizielles Schild, dass hier eine fünf Kilometer lange Teststrecke für Lehrfahrer ist :-).


Im Zentrum von Kars sowie auf den etlichen Picknickplätzen wimmelt es von Jugendlichen und wir finden bald heraus, dass heute der jährliche „Jugend und Sport“-Feiertag ist und alle frei haben.

 

20. – 23.5.2022

Kars, Türkei

Km: 30

Km Total: 15’460

Wir müssen zurück nach Kars fahren, da uns wieder Mal ein Besuch bei Vodafone bevorsteht. Vor einigen Wochen konnten wir unser eigentlich ungewolltes Handyabonnement annullieren. Die letzte Rechnung konnte allerdings nicht sofort beglichen werden, sondern erst, wenn sie ordnungsgemäss fällig wird, heisst für uns am 21. Mai. Da es laut Google-Maps auf unserem geplanten Weg zur georgischen Grenze kein Vodafone-Geschäft mehr gibt, müssen wir die Zahlung unbedingt in Kars erledigen. Jeden Tag (ausser Sonntag) versuchen wir im Vodafone Laden unser Glück, doch es will einfach nicht klappen. Die Angestellten können uns nicht helfen und einige verstecken sich bereits, wenn wir den Laden betreten ;-). Am 23. rufen wir den englischsprechenden Kundendienst an und es wird uns versprochen, dass die Rechnung morgen bezahlt werden kann. Wir glauben noch nicht recht daran! Wir verbringen die drei Tage mit dem weiteren Erkunden der Stadt, unzähligen Restaurantbesuchen, ausgiebigem Teetrinken (1x über 2 Liter in zwei Stunden :-)), Coiffeurbesuchen, Wäsche waschen etc.

Im Schlosspark ist nachmittags, vor allem am Wochenende, ziemlich was los. Zwei Musiker (Gesang, Akkordeon, Schlagzeug) spielen türkische Volkslieder und oft tanzt das Publikum begeistert dazu.

Die traditionellen türkischen Tänze sind anscheinend auch unter den jungen Leuten noch recht bekannt und es ist eine Freude ihnen zuzuschauen. Eigentlich schade, dass es in der Schweiz keinen Tanz mehr gibt, den alle (auch die Jungen) können. 


Auch auffällig in der Türkei ist die Picknick- und Grillierkultur. In vielen Städten oder auch in der Natur gibt es grosse oder kleine Parks voller Picknickhäuschen, viele sind ausgestattet mit eigenen Grillstellen. Sonntags, bei schönem Wetter, sind diese Parks gerammelt voll und es wird grilliert was das Zeug hält. Was nebst dem Fleisch auf keinen Fall fehlen darf, ist der kleine Ofen für das Teekochen, den eigentlich jede Familie oder Gruppe bei sich hat. Oft wird natürlich auch in der freien Natur gepicknickt und grilliert, was leider dann auch am vielen herumliegenden Müll erkennbar ist…

Die Region Kars ist bekannt für ihren leckeren Käse. Es wird nebst vielen anderen traditionellen Käsesorten, die Sorte „Gravyer“ hergestellt, eine Art Greyerzer nach Schweizer Vorbild! Dieser ist für türkischen Käse ganz lecker, kann jedoch ehrlich gesagt unserem Greyerzer nicht ganz das Wasser reichen ;-). Und ausserdem hat er Löcher wie ein Emmentaler :-). Aber nicht die Schweizer haben den Greyerzer in die Türkei gebracht, sondern die Russen, mit dem Beginn des Osmanisch-Russischen Kriegs von 1877. Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs war die Stadt Kars unter russischer Verwaltung.

Wir statten dem relativ neuen und modernen Käsemuseum einen Besuch ab, wo man interessantes über die Geschichte der Käseherstellung, den Alltag der Bauern und deren Tiere sowie die Botanik der Region erfährt. Der Prozess der Käseherstellung wird anhand von lebensechten Wachsfiguren und nachgebauten Anlagen sowie kurzen Videos aus einer Käserei recht anschaulich erklärt. Auch sehr toll gemacht und vor allem unglaublich detailgetreu, sind die in Miniaturform nachgebildeten Szenen aus dem traditionellen Leben der Bauern.

Dass wir so lange in Kars bleiben müssen, stört uns eigentlich nicht gross, da uns die Stadt sehr gut gefällt und wir einige tolle Übernachtungsplätze in der Umgebung fanden.

 

24.5.2022

Kars – Çanaksu (Çıldır See), Türkei

Km: 80

Km Total: 15’540

Unglaublich aber wahr, ohne jegliche Diskussionen können wir am Morgen innerhalb einer Minute unsere Vodafone Rechnung, von sage und schreibe 2.50 Franken, bezahlen :-). Wir haben eigentlich einiges mehr erwartet, da wir vorzeitig aus dem Vertrag ausgestiegen sind.

Aus Kars raus und an den schönen Çıldır See. Wir landen direkt am See bei einem kleinen Restaurant, das ebenfalls ein Campingplatz sein soll.

Der „Campingplatz“ besteht lediglich aus etwas Platz wo man sein Fahrzeug hinstellen kann. Wir fragen den Besitzer, ob er Essen hat? Er nickt und wir setzen uns im leeren Lokal hin. Als erstes nimmt der alte Mann aber sein Handy hervor, öffnet die Park4Night App und erklärt uns, dass er froh wäre, wenn wir seinen Platz als „Campingplatz“ eröffnen würden :-). Zum Essen gibt es Fisch mit Salat, das einzige heute erhältliche Menu.  

Um das lokale Gewerbe zu unterstützen bleiben wir auf seinem Platz für 3 Franken pro Nacht und beobachten die Pelikane und Möwen in der Nähe.

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25.5.2022

Çanaksu (Çıldır See), Türkei

Pelikanen zusehen, den See geniessen und mit Hunden spazieren gehen :-).

Übrigens liegt dieser See auf 1950m und ist 4 Monate im Jahr zugefroren. Obwohl die Eisschicht im Winter bis zu einem Meter beträgt, gehen viele Einheimische Eisfischen. Auch Schlittenfahrten mit Pferden sind bei Wintertouristen beliebt.

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